Vallendar ist guter Standort für Windkraftanlagen

Informationsveranstaltung für Bürger war gut besucht

Die Aufzeichnung der Bürger-Informationsveranstaltung vom 17. März 2021 finden Sie hier:

https://vimeo.com/525425217

Vallendar. Im Vallendarer Stadtwald könnten vier Windkraftanlagen gebaut werden, die jeweils rund 5.600 kW Nennleistung haben. „Sollten die Anlagen gebaut werden dürfen, wäre das ein wichtiger Schritt in Richtung einer Klimaschutzstadt Vallendar,“ so Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann.

Rund 60 Bürger nahmen Ende vergangener Woche an einer Informationsveranstaltung per Video-Live-Stream teil, um sich ein Bild über das mögliche Vorhaben eines Investors zu machen.

Der Windkraft-Anbieter GAIA aus Lambsheim in der Pfalz hatte sich an die Stadt Vallendar gewandt, weil im Stadtwald gute Standorte für moderne, leistungsfähige Windkraftanlagen bestehen. An der Nutzung dieser Standorten ist die Firma interessiert. Das Unternehmen hatte sich auf eigene Kosten bereits ein Bild von den Möglichkeiten im Stadtwald gemacht und 4 Standorte ausgewählt, die in Hinblick auf Umwelt-, Natur und Artenschutz, auf Abstand zu Orten und Siedlungen, auf mögliche Lärmbelastung von Menschen und Sichtbeziehungen geeignet wären.

Während der Infoveranstaltung wurde mit Hilfe von Lageplänen und Fotos erläutert, welche Chancen und auch Hindernisse für Windkraftanlagen auf den stadteigenen Waldflächen und einer Fläche im Bereich Berg Schönstadt bestehen. Wichtig auch: Die Firma bietet Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger an. Etwa dass ein Windrad von einer Genossenschaft eigenständig betrieben werden kann, die dann Gewinne an die Mitglieder auszahlt, die aber auch das wirtschaftliche Risiko der Anlage trägt, wenn Verluste gemacht werden. Eine andere Beteiligungsform wäre das „Crowdfunding“, wo Bürger ebenfalls Anteile erwerben und ein fester Zinssatz und feste Laufzeiten vertraglich festgelegt werden.

Die Stadt Vallendar hätte durch die Verpachtung der nötigen Flächen für die Windkraftanlagen jährliche Pachteinahmen. Genau beziffern wollte der Anbieter die mögliche Höhe nicht, erreichbar wären aber Einnahmen über 100.000 Euro. Zusätzlich sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz vor, dass Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern 0,2 ct pro Kilowattstunde und Jahr von jeder Anlage bekommen. Somit hätten auch die Nachbargemeinden von Vallendar Einnahmen aus der Windkraft im Stadtwald.

Während der Einwohner-Infoveranstaltung erläuterte Dr. Ulrich Matthes vom Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen, dass eine Windenergieanlage rund 2.400 Tonnen CO 2 pro Anlage und Jahr einspart. Das sei ein guter Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel, den die Stadt leisten würde. Die Standorte von Windkraftanlagen im Wald sei sehr effektiv, vor allem in den Höhenlagen, die optische Wirkung im Wald schwächer als auf freien Flächen.

Die Firma GAIA zeigte anhand von Fotosimulationen, wie die Anlagen von verschiedenen Standorten in Vallendar aus visuell wirken würden. Am meisten zu sehen wären die vorgeschlagenen Anlagen mit einer Gesamthöhe von 247 Metern vom Berg Schönstadt und vom Reginaberg aus. Wenig sichtbar wären die Anlagen aus der Stadt selbst heraus. Was einigen Teilnehmern der Infoveranstaltung fehlte, waren Ansichten der möglichen Anlagen von Hillscheid, Weitersburg, Urbar und Simmern aus. Hier will GAIA noch nachliefern.

Wie es nun mit dem möglichen Bau der Windkraftanlagen weitergeht, ist noch offen. Allerdings könnte GAIA, so man sich mit der Stadt über die Pacht und weitere Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger einigt, bereits Ende des Jahres mit der Durchführung artenschutzfachlicher Untersuchungen beginnen. Es könnte passieren, dass die jetzt in Blick genommenen Standorte im Stadtwald noch aus Gründen des Artenschutzes geändert werden müssen. Folgen würde ein aufwändiges Genehmigungsverfahren, die Teilnahme des Projekts am Gebotstermin des bundesweiten Ausschreibungsverfahren nach dem EEG und nach Zuschlag der Bau und die Inbetriebnahme der Windkraftanlagen im Jahr 2026.

Fest steht, das GAIA während jeder Phase der Umsetzung des Projekts die Bürger und den Stadtrat eng beteiligen will. Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann betonte auch, dass mit dieser Infoveranstaltung ein ganz offenes, transparentes Verfahren beginne. Es gelte zunächst zu ermitteln, ob die Bürger der Stadt Vallendar und der Stadtrat das Projekt auch umsetzen wollen. Die Windenergie sei aber eine sehr wichtige erneuerbare Energie. Vallendar sollte, wie jede andere Kommune im Land, seinen Anteil zur Einsparung von CO2 und so zum Klimaschutz beitragen. Die Windkraftanlagen wären dann ein wichtiges Projekt in einem Konzept „Klimaschutzstadt Vallendar“, dass die Stadt mit Unterstützung der Energieagentur Rheinland-Pfalz angehen möchte. Neben anderen Projekten wie etwa Photovoltaik für Privatleute und auf öffentlichen Gebäuden, Energieeinsparung und klimafreundlicher Verkehrsplanung.

Andreas Wandow, Journalist, Vallendar